Abgelegt unter: Meinung
Die Katholische Jugend hat in den letzten Tagen mit sich selbst im Geiste zu kämpfen. Fundi? Nicht Fundi? Wenn nicht Fundi, dann romtreu? Geht das?
Die jungen Brüder und Schwestern im Geiste unserer beliebtesten österreichischen Sekte leiden schon seit Wochen an einem ideologischen Brechreiz, dem man nur mit Magentabletten ankommen kann. Wenn sich diese Magentabletten allerdings als Kirchenaustritt manifestieren, haben die JungkatholikInnen wohl doch ein grobes Problem.
Mit perfektem Timing hat die Katholische Jugend Österreich eine Online-Initiative ins Leben gerufen, bei der junge Gläubige [z.B. Günther (48): "Ich bleibe, weil geistige Ver(w)irrung in den eigenen Reihen nicht die Oberhand gewinnen darf"] ihre Meinung sagen können. Löblich eigentlich. Aber wer sagt dem lieben Günther, dass seine Organisation auf geistiger Verwirrung aufbaut und dass die alten Herren in Rom schon seit Jahrhunderten immer weiter ins Dunkel ihrer geistigen Umnachtung reiten. Was spricht also gegen die Magentabletten?
Dass dem Heiligen Stuhl unter Umständen das Geld fehlen könnte in Aktien von Rüstungskonzernen zu investieren?
Dass die vielen “feichtladen” Gemäuer ohne spendende KirchgängerInnen etwas unnütz in der Landschaft stehen würden und der Abriss mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar wäre?
Befürchten sie etwa, dass neue Sekten die menschlichen Geister mit extraterrestrischem, okkultem oder gar kommunistischem Atheismus-Gedankengut verunstalten könnten?
Wie ich als Antikapitalist weiß, ist es sehr schwer bis unmöglich, das System von innen heraus zu ändern. Scheinbar wissen das jetzt auch die oberen KJ’ler, denn sonst würden sie nie mit so verzweifelten Statements wie “Ein Lächeln bewirkt bei Verzweifelten oft mehr als alle gescheiten Argumente …” auf ihrer Homepage für ihre Sache werben. Viel bequemer wäre es da doch in ihren kleinen, vielleicht sogar sehr offen liberalen, und deswegen eventuell sogar noch unwichtigeren, Pfarrgemeinden zu bleiben, sich alle paar Wochen in den Pfarrgemeinderat zu setzen um dem in manchen Orten vielleicht auch recht liberalen Pfarrern ein wenig Honig ums Maul zu schmieren (Wahlweise Bradlfett) und sich selbst zu sagen, dass die Kirche ja doch etwas tolles ist. Realitätsverweigerung ist ein Schutzmechanismus, denn wer will schon mit der Gewissheit leben, dass er sich für einen korrupten und in den Grundfesten xenophoben Machtapparat einsetzt, der von alten Herren geleitet wird, die sogar die positiven Grundsätze, mit denen sie die Unbegründbarkeit ihres Machtanspruches zu verdecken versuchten, verraten und vergessen haben.
Es spricht also wirklich nichts gegen einen Austritt aus dieser Kirche, die bewiesen hat, dass sie jeden lobenswerten Erfolg an der Basis mit gravierenden ideologischen Entgleisungen, die lange Zeit viel zu wenige Menschen erschüttert haben, vernichtet. Oder warten Katholiken doch alle auf andere Tabletten.
Gegen Homosexualität?
[von Leo Mayr und Tobias Stadler]
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