Abgelegt unter: Meinung
Wie ich heute morgen als ich von meinem Istanbulurlaub zurück nach Österreich kam, etwas verschlafen aus dem Fenster meines Zuges blickte, glaubte ich nicht besonders viel des politischen Geschehens, der letzten Woche verpasst zu haben. Doch als ich aus dem augenwinkel einen Artikel in der Zeitung meines Sitznachbarn entdeckte war mir sofort klar, dass ich denkwürdige Tage in der Geschichte des Freistaat Kärntens verpasst hatte.
Die Rede ist natürlich von der neuen Haider-Brücke. Das die Kammeraden der orangen Trachtenträger eine Brücke und nicht eine Betonleitplanke nach unserem großen Landesvater, der er ja nicht nur für KärntnerInnen sondern für uns alle war, benannt haben ist mir bis jetzt schleierhaft. Tatsache ist, dass 700 fröhliche Gäste den 59 Geburtstag unseres Jörgis, der aus tragischen Gründen zu seiner eigenen Feier nicht “erscheinen” konnte, feierten und ihm als kleine Aufmerksamkeit eine Brücke schenkten. Interessant ist für mich auch, dass das BZÖ plötzlich Gefallen daran gefunden hat Schilder aufzustellen. Bis jetzt konnte man ja nur von Orangen hören, die Schilder abhängen, oder in gewissen Fällen, Schilder übersehen. Vielleicht führt dieser ungeahnte Sinneswandel unserer Volksfestredner, auch noch dazu, dass gewisse Paragraphen in unserer Verfassung, die sich auf das Aufstellen von Ortstafeln beziehen, mehr Beachtung von Seiten der trauernden Haiderverehrer entgegengebracht werden.
Aber auch im Fall der Haider-Brücke wurde kein Wert auf die Meinung der Bundesregierung gelegt. Landes-Straßenbau-Referent Dörfler traf die Entscheidung, die Brücke umzubenennen ganz allein. (Hätte man ihm gar nicht zugetraut.) Daraus schließe ich, dass auch in Zukunft für Kärnten die Verfassung ein unnützer Haufen Papier und die Bundesregierung ein umgehbares Gremium bleiben wird.
Ein lustiges Detail an der ganzen Angelegenheit ist auch, dass die Gelder für den Bau der besagten Brücke “angeblich” unrechtmäßig, von Haider höchstpersönlich, von einem anderem Bauprojekt abgezweigt wurden. Hat sich Haider also selbst ein Denkmahl gebaut? (Ich lasse diese Frage einfach mal im Raum stehen.)
Wie ich dann später im internet erfahren habe, gab es mindestens eine/n beherzte/n Menschen in Kärnten, der die Tradition des Schilderabhängens mutig vortsetzte.
(Leo Mayr)
Keine Kommentare so far
Leave a comment
Einen Kommentar hinterlassen
Zeilen und Absätze brechen automatisch um, E-Mail-Adresse wird nie angezeigt, HTML erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

